Zuschläge, Mindesteinsatz und Vorlaufzeit
Der genannte Stundensatz gilt in aller Regel für den Grundfall: Tagschicht an einem Werktag. Sobald die Einsatzzeit davon abweicht, greifen tarifliche Zuschläge, die der Dienstleister an den Auftraggeber weitergibt. Der BDSW-Tarifvertrag für Hamburg, gültig ab dem 1. März 2026 mit Laufzeit bis Ende 2027, sieht 15 Prozent Nachtzuschlag für die Zeit von 20 bis 6 Uhr vor, 50 Prozent für Sonntagsarbeit und 100 Prozent für Feiertagsarbeit. Über die Bundesländer hinweg bewegen sich Nachtzuschläge in einer Bandbreite von etwa 10 bis 25 Prozent, Sonntagszuschläge zwischen 25 und 50 Prozent, Feiertagszuschläge zwischen 50 und 100 Prozent.
Praktisch bedeutet das: Ein Feiertagseinsatz kostet den doppelten Basissatz zuzüglich Lohnnebenkosten. Wer eine Weihnachtsmarktbewachung oder eine Silvesterschicht plant, sollte diesen Faktor von Anfang an einrechnen und nicht mit dem Werktagssatz kalkulieren. Der Effekt lässt sich auch an den Leistungspreisen ablesen: Objektschutz tagsüber liegt laut security.de bei 25 bis 35 Euro, mit Nachtschicht bei 35 bis 50 Euro. Cesar Security nennt für Hamburg 25 bis 35 Euro für Tagschichten und 31 bis 44 Euro für Nachtdienste.
Zwei weitere Positionen werden regelmäßig übersehen. Erstens der Mindesteinsatz: Branchenüblich sind vier Stunden pro Schicht, auch wenn der tatsächliche Bedarf kürzer ausfällt. Ein zweistündiger Einsatz zur Objektübergabe wird also als vier Stunden abgerechnet. Zweitens die Vorlaufzeit: Kurzfristige Beauftragungen führen zu Aufschlägen von 25 bis 100 Prozent, bei Anfragen unter 24 Stunden Vorlauf kommen Bereitstellungszuschläge hinzu. Wer planbaren Bedarf frühzeitig meldet, spart hier den größten Einzelposten.
Hinzu kommen Anfahrtskosten, die häufig separat mit 0,30 bis 0,50 Euro je Kilometer abgerechnet werden. Bei einem abgelegenen Objekt und täglicher Anfahrt summiert sich das über zwölf Monate zu einem spürbaren Betrag. Ob Anfahrt im Stundensatz enthalten ist oder gesondert erscheint, gehört deshalb vor Vertragsschluss geklärt.
Region, Einsatzdauer und Monatskosten
Regionale Unterschiede fallen deutlich aus. In Ballungsräumen treiben höhere Lohnniveaus und eine stärkere Nachfrage die Preise. Für Hamburg berichtet die Recherche von Marktpreisen rund 30 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, während günstigere Regionen bereits bei 20 bis 28 Euro pro Stunde beginnen. Für Auftraggeber mit mehreren Standorten heißt das: Ein einheitlicher Konzernstundensatz über alle Objekte hinweg bildet die Realität selten korrekt ab und führt entweder zu Überzahlung an günstigen Standorten oder zu Qualitätsproblemen an teuren.
Wichtiger als der Stundensatz ist für die meisten Auftraggeber ohnehin die Monatssumme. Sox Sicherheitsdienst nennt für 2026 folgende Größenordnungen: Ein Tagdienst von Montag bis Freitag zwischen 8 und 18 Uhr kostet 5.500 bis 7.500 Euro pro Monat. Eine Nachtbewachung an sieben Nächten mit jeweils rund zehn Stunden liegt bei 8.000 bis 12.000 Euro. Ein durchgehender 24/7-Objektschutz mit einem einzigen besetzten Posten schlägt mit 15.000 bis 25.000 Euro monatlich zu Buche, weil dafür rechnerisch mehr als vier Vollzeitstellen erforderlich sind.
Cesar Security kommt für Hamburg zu vergleichbaren Werten. Eine Gewerbeimmobilie mit zehnstündiger Nachtbewachung liegt bei 25 bis 32 Euro pro Stunde und ab 7.500 Euro im Monat. Ein Industriegelände mit 24/7-Bewachung in drei Schichten kostet 27 bis 35 Euro pro Stunde und ab 19.500 Euro monatlich. Eine Baustellenbewachung nachts und am Wochenende beginnt bei 5.600 Euro, ein Hochsicherheitsobjekt wie ein Rechenzentrum oder ein Pharmastandort bei 25.000 Euro monatlich.
Die Vertragslaufzeit wirkt in die Gegenrichtung. Langfristige Beauftragungen und größere Auftragsvolumina senken den Stundensatz, weil der Dienstleister planbar disponieren, feste Teams einsetzen und Einarbeitungskosten über die Laufzeit verteilen kann. Kurzfristige Einzeleinsätze sind pro Stunde immer teurer. Wer dauerhaften Schutzbedarf hat, sollte deshalb nicht monatsweise beauftragen. Wie sich stationäre Präsenz und mobile Kontrolle im laufenden Betrieb sinnvoll kombinieren lassen, zeigt der Beitrag zum mobilen Streifendienst.
Angebote vergleichen: versteckte Kosten und Warnsignale
Der häufigste Fehler beim Anbietervergleich ist der Blick auf eine einzige Zahl. Zwei Angebote mit demselben Stundensatz können sich in der Jahressumme um einen fünfstelligen Betrag unterscheiden, wenn Zuschläge, Mindesteinsatz und Anfahrt unterschiedlich geregelt sind. Ein belastbarer Vergleich braucht deshalb eine einheitliche Basis.
Das erste Prüfkriterium ist die Untergrenze. Stundensätze unter 24 Euro netto gelten in der Branche als kritisch. Unterhalb dieser Marke lassen sich Tariflohn, Lohnnebenkosten, Verwaltung und Versicherung rechnerisch kaum darstellen. Ein auffällig niedriges Angebot deutet auf Tarifbruch, unqualifiziertes Personal, fehlende Versicherung oder auf eine spätere Nachkalkulation über Zuschläge hin. Auftraggeber tragen hier ein reales Risiko, denn bei Verstößen gegen arbeitsrechtliche Vorgaben im Bewachungsgewerbe stehen sie mit im Blick der Behörden.
Diese Punkte gehören vor der Beauftragung schriftlich geklärt:
- Kostenaufschlüsselung: Tariflohn, Lohnnebenkosten, Gemeinkosten und Marge getrennt ausweisen lassen.
- Tariftreue: Bestätigung, dass der Lohntarifvertrag der Bewachungsbranche für das jeweilige Bundesland eingehalten wird.
- Qualifikation: Nachweis der § 34a-Unterrichtung oder Sachkundeprüfung, bei sensiblen Objekten Nachweis über Werkschutzfachkraft oder Fachkraft für Schutz und Sicherheit.
- Versicherung: Betriebshaftpflicht mit mindestens 5 Mio. Euro Deckungssumme sowie Vermögensschadenhaftpflicht.
- Zuschlagstabelle: Prozentsätze für Nacht, Samstag, Sonntag und Feiertag schriftlich, inklusive der Uhrzeitgrenzen.
- Anfahrt und Ausrüstung: Kilometerpauschale, Fahrzeugkosten, Funktechnik, Diensthund und Dokumentationssystem als eigene Positionen.
- Mindesteinsatz: Zahl der abgerechneten Mindeststunden je Schicht.
- Laufzeit und Kündigung: Vertragsdauer, Kündigungsfristen und Konditionen für Bedarfsänderungen.
Ebenso hilfreich ist es, dem Dienstleister die Ausgangslage vollständig zu liefern. Wer Objektart, Einsatzziel, Zeiten, gewünschte Personalstärke, Aufgabenliste und vorhandene Technik benennt, bekommt ein präzises Angebot statt einer groben Schätzung. Für den Vergleich mehrerer Anbieter sollten alle dieselben Angaben erhalten. Welche Leistungsbausteine ein umfassendes Objektschutzkonzept enthält, ist im Beitrag zum Objektschutz für Unternehmen beschrieben.
Tipp für den Angebotsvergleich: Lassen Sie sich statt eines reinen Stundensatzes eine Hochrechnung auf zwölf Monate geben, inklusive aller geplanten Nacht-, Wochenend- und Feiertagsschichten. Erst diese Jahressumme macht Angebote wirklich vergleichbar. Kalkulieren Sie zusätzlich die tarifliche Erhöhungsstufe zum 1. Januar 2027 ein und fragen Sie, wie der Vertrag Lohnsteigerungen abbildet.
Kosten senken, ohne Sicherheit zu verlieren
Sparen heißt im Bewachungsgewerbe nicht, den Stundensatz zu drücken. Der Personalkostenanteil von rund 65 Prozent lässt dafür schlicht keinen Raum. Wirksam sind stattdessen Eingriffe in das Einsatzkonzept, also in die Zahl und Lage der bezahlten Stunden.
Der größte Hebel ist die Kombination von Personal und Technik. Kameras, Alarmaufschaltung und Zutrittssysteme übernehmen die Flächenüberwachung, während die Sicherheitskraft sich auf Intervention und Zugangskontrolle konzentriert. Laut Recherche senkt das die Personalkosten um 30 bis 50 Prozent. Die Technikpreise liegen deutlich unterhalb einer Dauerpräsenz: Alarmaufschaltung mit Intervention beginnt bei 99 Euro monatlich, eine KI-gestützte Videofernüberwachung bei 149 Euro. Security.de beziffert die Fernüberwachung mit Alarmverfolgung auf etwa 300 bis 500 Euro pro Monat, Video-Türme mit KI-Auswertung auf ab 250 Euro pro Woche. Für reine Abschreckung und Dokumentation ist Technik damit die wirtschaftlichere Wahl, sie ersetzt aber keine Reaktion vor Ort.
Der zweite Hebel ist die Ablösung der Dauerpräsenz durch Intervallkontrollen. Ein Revierdienst, bei dem eine Streife mehrere Objekte nacheinander anfährt, senkt die Monatskosten laut Recherche um 40 bis 60 Prozent gegenüber einem durchgehend besetzten Posten. Ein einfacher Revierdienst mit drei Stunden täglich von Montag bis Freitag liegt bei rund 700 bis 900 Euro monatlich. Für viele Gewerbeobjekte mit überschaubarem Risiko ist das die passende Antwort auf eine Bedarfslage, die keinen 24-Stunden-Posten rechtfertigt.
Der dritte Hebel ist das Objektgruppen-Modell. Mehrere Unternehmen in einem Gewerbegebiet teilen sich eine Streife. Ab dem zweiten Teilnehmer halbieren sich die Kosten je Beteiligtem. Ergänzend gewähren Versicherer bei nachgewiesener professioneller Bewachung Rabatte von 5 bis 15 Prozent auf die Prämie, was den effektiven Nettoaufwand weiter senkt.
Bleiben zwei organisatorische Punkte. Erstens die risikobasierte Schichtplanung: Statt pauschaler Rundumbesetzung wird die Präsenz auf die tatsächlichen Risikozeiten gelegt, etwa Standposten zu Stoßzeiten und mobile Kontrollfahrten in ruhigen Stunden. Zweitens die passgenaue Qualifikation, wie oben beschrieben. Beides zusammen senkt die Kosten stärker als jede Preisverhandlung und lässt das Schutzniveau unangetastet.
Häufige Fragen
Was kostet ein Sicherheitsdienst pro Stunde?
Ein Sicherheitsdienst kostet 2026 zwischen 18 und 58 Euro netto pro Stunde und Sicherheitskraft. Für qualifizierte Standardleistungen gelten 25 bis 50 Euro, Personenschutz liegt bei 50 bis 120 Euro pro Stunde.
Ab welchem Stundensatz ist ein Angebot unseriös?
Angebote unter 24 Euro netto pro Stunde gelten als Warnsignal. Bei einem tariflichen Objektschutzlohn von 15,15 Euro brutto lassen sich darunter Lohnnebenkosten, Verwaltung und Versicherung rechnerisch nicht mehr abdecken.
Wie hoch sind Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge?
Nachtzuschläge liegen meist bei 10 bis 25 Prozent, Sonntagszuschläge bei 25 bis 50 Prozent, Feiertagszuschläge bei 50 bis 100 Prozent. Der Hamburger BDSW-Tarifvertrag ab März 2026 nennt 15, 50 und 100 Prozent.
Warum kostet die Stunde mehr als doppelt so viel wie der Tariflohn?
Auf den Bruttolohn kommen 20 bis 30 Prozent Lohnnebenkosten sowie Verwaltung, Ausrüstung, Fahrzeuge und Versicherung. Die Kostenstruktur besteht aus etwa 65 Prozent Personal, 25 Prozent Betrieb und 10 Prozent Marge.
Was kostet eine Bewachung rund um die Uhr im Monat?
Ein 24/7-Objektschutz mit einem besetzten Posten kostet 15.000 bis 25.000 Euro monatlich. Ein Tagdienst von Montag bis Freitag liegt bei 5.500 bis 7.500 Euro, eine durchgehende Nachtbewachung bei 8.000 bis 12.000 Euro.
Wie lassen sich die Kosten senken, ohne die Sicherheit zu gefährden?
Technik und Personal zu kombinieren senkt die Personalkosten um 30 bis 50 Prozent. Ein Revierdienst statt Dauerpräsenz spart 40 bis 60 Prozent der Monatskosten, ein Objektgruppen-Modell halbiert sie ab dem zweiten Teilnehmer.
Welche versteckten Kosten stecken typischerweise in Angeboten?
Typisch sind Anfahrtspauschalen von 0,30 bis 0,50 Euro je Kilometer, ein Mindesteinsatz von vier Stunden je Schicht, Aufschläge von 25 bis 100 Prozent bei kurzfristiger Beauftragung sowie Zuschläge für Ausrüstung und Diensthund.
Quellen
- security.de — Sicherheitsdienst Kosten 2026: Preise, Vergleich und Spartipps
- coredinate — Tariflöhne Sicherheitsmitarbeiter 2026, alle Bundesländer
- Goldeneye Sicherheitsdienst — Sicherheitsdienst Kosten pro Stunde und Monat 2026
- Sox Sicherheitsdienst — Was kostet ein Sicherheitsdienst? Preise und Stundensätze
- Cesar Security — Sicherheitsdienst und Objektschutz Kosten 2026, Marktdaten Hamburg
- Kulig Security — Sicherheitsdienst Kosten: Preise, Modelle und Spartipps
- ASB Security Berlin — Sicherheitsdienst Kosten: Stundensatz, Faktoren und Beispiele
- Trustlocal — Preisdaten Sicherheitsdienstleistungen 2026
- BDSW, Bundesverband der Sicherheitswirtschaft — Tarifverträge im Bewachungsgewerbe