DIN 77200: Was die Norm für Sicherheitsdienstleistungen vorschreibt

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    Auf einen Blick

    Die DIN 77200 schreibt vor, wie ein Sicherheitsdienstleister organisiert sein muss, welche Qualifikationen seine Mitarbeitenden mitbringen und wie Einsätze geplant, geführt und dokumentiert werden. Sie ist die maßgebliche deutsche Normenreihe für Sicherungsdienstleistungen und besteht seit 2017 aus drei eigenständigen Teilen. Teil 1 liegt in der Ausgabe 2022-10 vor, Teil 2 und Teil 3 in der Ausgabe 2020-07. Für Auftraggeber ist ein Zertifikat nach dieser Norm der einzige branchenspezifische Nachweis, der von einer unabhängigen, akkreditierten Stelle geprüft wurde. Eine gesetzliche Pflicht ist die Norm nicht, in Ausschreibungen aber praktisch der Maßstab.

    DIN 77200 kurz erklärt: Aufbau der Normenreihe

    Bis 2017 war die DIN 77200 eine Einzelnorm. Die Ausgabe von 2008 wurde durch eine dreiteilige Reihe abgelöst, die inhaltlich sauber trennt: Grundanforderungen, Sonderbereiche und Prüfverfahren. Diese Trennung ist der Grund, warum Sie in Angeboten und Zertifikaten immer eine Teilnummer sehen. Ein Zertifikat „nach DIN 77200″ ohne Teilangabe ist unvollständig und sollte nachgefordert werden.

    DIN 77200-1 ist das operative Herzstück. Der Teil legt allgemeine Anforderungen an die Planung und Erbringung von Sicherungsdienstleistungen fest und deckt Organisation, Personalqualifikation, Dienstanweisungen, Dokumentation, Schlüsselverwaltung und Kontrollsysteme ab. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt die Systematik: Nach Anwendungsbereich, normativen Verweisungen und Begriffen folgen die allgemeinen Anforderungen mit den Unterkapiteln Organisation, Versicherung, Qualitätsmanagement, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Geschäftsräume und Einsatzleitung. Es geht also nicht um einzelne Wachleute, sondern um das Unternehmen als Ganzes.

    DIN 77200-2 ergänzt erweiterte Anforderungen für vier besonders sicherheitsrelevante Leistungsbereiche: Veranstaltungen mit erhöhter Sicherheitsrelevanz, den öffentlichen Personenverkehr, sicherheitsrelevante Objekte wie Betreiber kritischer Infrastrukturen und Energieversorger sowie Flüchtlings- und Asylunterkünfte. Wer in einem dieser Felder ausschreibt, sollte gezielt nach Teil 2 fragen. Ein Zertifikat, das nur Teil 1 abdeckt, sagt über die Eignung für ein KRITIS-Objekt wenig aus.

    DIN 77200-3 richtet sich nicht an Dienstleister, sondern an Zertifizierungsstellen. Der Teil beschreibt das Verfahren zur Konformitätsbewertung, also wie geprüft, bewertet und dokumentiert wird. Praktische Folge für Sie als Auftraggeber: Nur Zertifikate von akkreditierten Stellen entsprechen diesem Normenteil. Anhang B dieses Teils listet über 20 Nachweise, die ein Unternehmen vor dem Audit einreichen muss, darunter Organigramm, Verfahren für Datenschutz- und Verschwiegenheitsverpflichtungen, Beschwerdemanagement und eine Qualifikationsübersicht aller Mitarbeitenden.

    NormteilAusgabeAdressatInhalt
    DIN 77200-12022-10SicherheitsdienstleisterAllgemeine Anforderungen: Organisation, Personalqualifikation, Dienstanweisungen, Dokumentation, Schlüsselverwaltung, Kontrollsysteme
    DIN 77200-22020-07Sicherheitsdienstleister in SonderbereichenErweiterte Anforderungen für Veranstaltungen mit erhöhter Sicherheitsrelevanz, öffentlichen Personenverkehr, sicherheitsrelevante Objekte, Flüchtlings- und Asylunterkünfte
    DIN 77200-32020-07ZertifizierungsstellenZertifizierungsverfahren zur Konformitätsbewertung, Prüfumfang (Anhang A), über 20 einzureichende Nachweise (Anhang B)

    Welche Sicherungsdienstleistungen die Norm abdeckt

    Ein häufiges Missverständnis: Ein Unternehmen ist nicht pauschal „DIN 77200 zertifiziert“. Zertifiziert werden einzelne Sicherungsdienstleistungen, abgekürzt SDL. Der Geltungsbereich steht auf dem Zertifikat, und nur dieser Geltungsbereich ist geprüft.

    Die Norm unterscheidet zunächst zwischen stationären und mobilen Dienstleistungen. Zu den stationären SDL zählen Alarmdienst, Empfangsdienst und der stationäre Kontrolldienst. Der Alarmdienst umfasst Kontrolltätigkeiten mittels technischer Systeme, die Verfolgung von Alarmen und Notmeldungen sowie das Einleiten der vereinbarten Maßnahmen. Der Empfangsdienst deckt die repräsentative Betreuung von Besuchern sowie die Prüfung und Erteilung von Zugangserlaubnissen ab. Der Kontrolldienst sichert und überwacht Vorgänge und Zustände im Objekt.

    Zu den mobilen SDL gehören Revierdienst, Interventionsdienst und der mobile Kontrolldienst. Der Revierdienst ist definiert als regelmäßige Kontrolle an mehreren räumlich nicht zusammenhängenden Objekten für mehr als einen Auftraggeber. Der Interventionsdienst beschreibt die Durchführung vereinbarter Maßnahmen aufgrund eines speziellen, nicht regelmäßig eintretenden Ereignisses, und zwar am Ereignisort innerhalb einer festgelegten Frist. Genau diese Frist ist der Punkt, den Sie im Vertrag konkret beziffern sollten.

    Als eigene Kategorie führt die Norm den Veranstaltungssicherungsdienst. Hinzu kommen die in Teil 2 geregelten Bereiche: Sicherungsdienstleistungen für Objekte mit besonderer Sicherheitsrelevanz, etwa kritische Infrastrukturen, Behörden und Energieversorger, Dienstleistungen zum Schutz von Flüchtlings- und Asyleinrichtungen sowie Sicherungsdienstleistungen im öffentlichen Personenverkehr.

    Wichtig für die Einordnung älterer Angebote: Bis zur Ausgabe 2017-11 wurde nach drei Leistungsstufen zertifiziert. Stufe 1 stellte Preis und Qualität gleichrangig, Stufe 2 gewichtete Qualität höher als den Preis, Stufe 3 räumte der Qualität die höchste Bedeutung ein. Diese Stufen gibt es nicht mehr. Wenn ein Anbieter heute noch mit „Leistungsstufe 3″ wirbt, arbeitet er mit einem überholten Nachweis. Wie sich der Objektschutz in dieser Systematik verortet, erläutert unser Beitrag zum Objektschutz für Unternehmen.

    Gut zu wissen: Der Geltungsbereich ist entscheidend. Ein Anbieter mit zertifiziertem Revierdienst ist damit nicht automatisch für Veranstaltungssicherung geprüft. Gleichen Sie die auf dem Zertifikat genannten Dienstleistungen Wort für Wort mit Ihrer Leistungsbeschreibung ab.

    Anforderungen an Personal, Organisation und Dokumentation

    Die DIN 77200 setzt auf der gesetzlichen Basis auf und geht deutlich darüber hinaus. Wer gewerbsmäßig fremdes Leben oder Eigentum bewacht, braucht eine Erlaubnis nach § 34a Gewerbeordnung. Alle eingesetzten Mitarbeitenden benötigen mindestens die Unterrichtung nach § 34a GewO im Umfang von 40 Stunden. Ab einer Beschäftigungsdauer von sechs Monaten ist zusätzlich die Sachkundeprüfung nachzuweisen. Details zu Ablauf und Inhalten finden Sie in unserem Ratgeber zur Sachkundeprüfung nach § 34a GewO.

    Darüber hinaus definieren Teil 1 und Teil 2 zusätzliche Weiterbildungsinhalte. Vorgesehen sind 40 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten für jede Vollzeitkraft. Das ist der Punkt, an dem sich zertifizierte von nicht zertifizierten Anbietern in der Praxis am deutlichsten unterscheiden: Weiterbildung wird geplant, durchgeführt und belegt, nicht bei Gelegenheit nachgeholt.

    Für jeden Sicherheitsmitarbeitenden verlangt die Norm zudem einen Wohnsitz in der EU oder EFTA, die Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift sowie ein polizeiliches Führungszeugnis. Sprachkompetenz ist dabei kein formaler Selbstzweck. Wer Meldungen schreibt, Übergabeprotokolle führt und im Ereignisfall mit Feuerwehr und Polizei kommuniziert, muss präzise formulieren können.

    Qualifikations- und Weiterbildungspflichten im Überblick

    Unterrichtung § 34a GewO 40 Stunden Weiterbildung je Vollzeitkraft 40 Unterrichtseinheiten Sachkundeprüfung ab 6 Monate Beschäftigung 0 20 40 Umfang in Stunden bzw. Unterrichtseinheiten à 45 Minuten
    Werte nach DIN 77200-1/-2 und § 34a Gewerbeordnung. Die Sachkundeprüfung ist eine Frist, keine Stundenzahl, und daher nur zur Einordnung dargestellt.

    Auf Unternehmensebene fordert die Norm ein branchenspezifisches Qualitätsmanagementsystem, strukturierte Prozesse für Angebots- und Vertragswesen, Dienstanweisungen und Einsatzdokumentation, eine geeignete technische und organisatorische Ausstattung, definierte Melde- und Notfallketten samt Krisenmanagement, Datenschutz und Compliance mit klarer DSGVO-Orientierung, interne Audits mit kontinuierlicher Verbesserung sowie ausreichenden Versicherungsschutz über eine Betriebshaftpflicht.

    Eine Grenze verdient besondere Aufmerksamkeit: Eine Sicherungsdienstleistung darf nicht zertifiziert werden, wenn sie zu mehr als 50 Prozent durch Sicherheitsmitarbeitende eines Subunternehmers erbracht wird. Diese Regel verhindert, dass ein Zertifikat faktisch für fremde Leistung ausgestellt wird. Fragen Sie den Subunternehmeranteil vor Vertragsschluss ab.

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    Zertifizierung: Ablauf, Fristen und Kosten

    Das Verfahren läuft in der Regel in neun Schritten ab. Der Dienstleister stellt einen Antrag bei einer akkreditierten Zertifizierungsstelle. Diese erstellt ein Angebot, dessen Auditaufwand von den beantragten Dienstleistungen, der Zahl der Sicherheitsmitarbeitenden und der Zahl der Niederlassungen abhängt. Es folgen Vertragsabschluss, Einreichung der Nachweise, optional ein Voraudit, danach Dokumentenprüfung und Zertifizierungsaudit vor Ort, Auditbericht, Zertifikatserstellung und in den Folgejahren die Überwachungsaudits.

    Die Fristen sind eng gesetzt. Die geforderten Nachweise sind rund vier Wochen vor dem Vor-Ort-Audit einzureichen, üblicherweise über ein Upload-Portal. Werden im Audit Mängel bei der Einhaltung von Anforderungen festgestellt, müssen diese innerhalb von drei Monaten abgestellt sein. Erst wenn alle Mängel fristgerecht behoben sind, darf die Zertifizierung erteilt werden. Das gesamte Verfahren muss binnen zwölf Monaten nach Vertragsabschluss abgeschlossen sein, sonst wird die Erstzertifizierung erneut fällig.

    Fristen im Zertifizierungsverfahren nach DIN 77200

    Nachweise vor dem Audit ca. 1 Monat (4 Wochen) Mängelbeseitigung 3 Monate Verfahren gesamt 12 Monate Abstand Überwachungsaudit 12 Monate Zertifikatsgültigkeit 36 Monate 0 12 24 36 Dauer in Monaten
    Fristen nach Angaben einer akkreditierten Zertifizierungsstelle und Fachpublikationen zur DIN 77200.

    Nach erfolgreicher Erstzertifizierung ist das Zertifikat drei Jahre gültig. In den Jahren dazwischen finden jährliche Überwachungsaudits statt, im dritten Jahr steht das Re-Zertifizierungsaudit an. Ein Zertifikat, dessen letztes Überwachungsaudit länger als zwölf Monate zurückliegt, ist deshalb erklärungsbedürftig.

    Bei den Kosten schwanken die Angaben stark, weil Unternehmensgröße, Standortzahl, Komplexität der Organisation und der Aufwand für die Umsetzung der Anforderungen den Ausschlag geben. Als grober Richtwert werden Zertifizierungskosten ab 1.970 Euro für eine mittelgroße Organisation genannt. Für die kombinierte Einführung von DIN 77200 zusammen mit ISO 9001 sind Festpreise ab 3.500 Euro dokumentiert. Mittelständische Betriebe können Beratungsaufwände teilweise über die BAFA-Beratungsförderung abdecken, mit Förderquoten von 50 Prozent in den alten und 80 Prozent in den neuen Bundesländern, was den Eigenanteil rechnerisch auf 1.750 Euro beziehungsweise 700 Euro senkt. Die Normtexte selbst kosten extra, DIN 77200-2 beispielsweise 112,80 Euro inklusive Mehrwertsteuer als PDF-Download über DIN Media. Andere Quellen nennen deutlich höhere Einstiegswerte um 5.000 Euro und eine Verfahrensdauer von drei bis sechs Monaten. Belastbar ist deshalb nur das individuelle Angebot der Zertifizierungsstelle.

    Was die Norm Auftraggebern in Ausschreibung und Vergabe bringt

    Für Unternehmen, Verwaltungen und Betreiber ist die DIN 77200 vor allem ein Werkzeug zur präzisen Leistungsbeschreibung. Sie liefert eine gemeinsame Sprache: Wenn in der Ausschreibung „Interventionsdienst“ steht, ist damit ein normativ definierter Leistungsinhalt gemeint und nicht die Auslegung des jeweiligen Anbieters. Das erhöht die Vergleichbarkeit der Angebote spürbar.

    Der zweite Nutzen ist der objektive Qualitätsnachweis. Ein Zertifikat belegt, dass eine unabhängige Stelle Organisation, Prozesse und Personal geprüft hat. Das ersetzt keine eigene Prüfung, verschiebt aber die Beweislast. In öffentlichen Ausschreibungen ist die DIN 77200 faktisch Standard. Rechtlich darf sie allerdings nur mit dem Zusatz „oder gleichwertig“ gefordert werden. Anbieter ohne Zertifikat müssen dann selbst nachweisen, dass ihre Prozesse gleichwertig sind, und dieser Nachweis ist aufwendig.

    Drittens hilft die Norm bei der Risikovorsorge. Kommt es zu einem Schadensfall, können Sie belegen, dass Sie einen nachweislich qualifizierten Dienstleister ausgewählt haben. Lückenlose Einsatzdokumentation, definierte Meldeketten und nachvollziehbare Übergaben sind dabei nicht nur Normanforderungen, sondern die Unterlagen, die im Ernstfall den Ablauf rekonstruierbar machen.

    In der Bewertung der Angebote hat sich eine Gewichtung von etwa 30 bis 40 Prozent Preis und 60 bis 70 Prozent Qualitätskriterien etabliert. Ein praxistaugliches Raster arbeitet mit 15 Qualitätskriterien, die jeweils mit 0 bis 2 Punkten bewertet werden: 0 Punkte für fehlende oder ausweichende Antworten, 1 Punkt für vorhanden, aber unklar belegt, 2 Punkte für klar dokumentiert mit nachvollziehbaren Prozessen und vorliegenden Nachweisen. Bei maximal 30 Punkten gelten Anbieter ab 24 Punkten erfahrungsgemäß als deutlich stabiler in Ausfallsicherheit, Führung, Dokumentation und Eskalation.

    Tipp für die Ausschreibung: Verlangen Sie das Zertifikat nicht nur als Anlage, sondern fordern Sie im Leistungsverzeichnis ausdrücklich den passenden Geltungsbereich und den Nachweis des letzten Überwachungsaudits. Das kostet Sie eine Zeile und filtert unpassende Angebote früh heraus.

    DIN 77200, ISO 9001 und § 34a GewO richtig einordnen

    Diese drei Ebenen werden regelmäßig verwechselt. Sie erfüllen unterschiedliche Zwecke und ersetzen einander nicht.

    Die § 34a Gewerbeordnung ist die gesetzliche Grundlage. Sie regelt die Erlaubnis für das Bewachungsgewerbe und die Mindestqualifikation der eingesetzten Personen. Ohne diese Erlaubnis darf niemand gewerbsmäßig bewachen. Über die Organisation des Unternehmens, über Dokumentation, Weiterbildung oder Notfallketten sagt sie jedoch wenig aus.

    Die ISO 9001 ist eine branchenübergreifende Norm für Qualitätsmanagementsysteme. Sie stellt sicher, dass Prozesse definiert, gesteuert und kontinuierlich verbessert werden, kennt aber keine Sicherheitsdienstleistungen. Ein Unternehmen mit ISO 9001 bringt ein QM-Grundgerüst mit und muss die branchenspezifischen Anforderungen ergänzen. Viele Zertifizierer bieten deshalb kombinierte Audits für DIN 77200 und ISO 9001 an.

    Die DIN 77200 schließt die Lücke dazwischen. Sie ist branchenspezifisch und stellt Anforderungen an genau die Prozesse, die im Wach- und Sicherheitsgewerbe über Qualität entscheiden. Ergänzend relevant bleibt der Versicherungsschutz: Als Branchenstandard gelten Deckungssummen von mindestens 3 Millionen Euro für Sachschäden und mindestens 5 Millionen Euro für Personenschäden. Fordern Sie vor Vertragsabschluss eine aktuelle Versicherungsbestätigung an und prüfen Sie, ob die Police den geplanten Einsatz konkret abdeckt, etwa auch Schlüsselverlust.

    Häufig taucht in Diskussionen zusätzlich die europäische Norm DIN EN 17483 auf. Sie zielt auf eine Harmonisierung von Sicherheitsdienstleistungen im europäischen Markt, während die DIN 77200 auf den deutschen Markt ausgerichtet ist und für nationale Ausschreibungen der maßgebliche Nachweis bleibt. In den ausgewerteten Fachquellen zur DIN 77200 fand sich kein Beleg dafür, dass die europäische Norm die deutsche Reihe abgelöst hätte. Eine vertiefende Gegenüberstellung finden Sie in unserem Beitrag zu zertifizierte und private Sicherheitsdienste im Vergleich.

    Kriterium§ 34a GewOISO 9001DIN 77200
    CharakterGesetzliche PflichtFreiwillige NormFreiwillige Norm
    GeltungsbereichBewachungsgewerbeBranchenübergreifendSicherungsdienstleistungen
    Prüft das UnternehmenZuverlässigkeit und ErlaubnisQualitätsmanagementsystemOrganisation, Prozesse und Personal
    PersonalanforderungUnterrichtung 40 Stunden, Sachkunde je nach TätigkeitKeine spezifische VorgabeZusätzlich 40 Unterrichtseinheiten Weiterbildung je Vollzeitkraft
    Gültigkeit des NachweisesUnbefristet, behördlich überwacht3 Jahre mit Überwachungsaudits3 Jahre mit jährlichen Überwachungsaudits
    Relevanz in der VergabeZwingende MindestvoraussetzungErgänzender NachweisFaktischer Standard, forderbar mit Zusatz „oder gleichwertig“

    Prüfliste: So bewerten Sie ein DIN-77200-Zertifikat

    Ein vorgelegtes Zertifikat lässt sich in wenigen Minuten belastbar einordnen, wenn Sie systematisch vorgehen.

    Erstens: Teilangabe und Ausstellungsdatum. Auf dem Zertifikat müssen der Normteil und die Ausgabe stehen. Aktuell sind DIN 77200-1:2022-10 sowie Teil 2 und Teil 3 in der Ausgabe 2020-07. Ein Zertifikat, das noch auf die Ausgabe 2017-11 verweist, ist ein Hinweis auf einen überfälligen Re-Zertifizierungszyklus.

    Zweitens: Geltungsbereich. Vergleichen Sie die aufgeführten Sicherungsdienstleistungen mit Ihrer Leistungsbeschreibung. Brauchen Sie Empfangsdienst und Interventionsdienst, müssen beide genannt sein. Bei KRITIS-Objekten, Veranstaltungen mit erhöhter Sicherheitsrelevanz oder Unterkünften ist zusätzlich Teil 2 erforderlich.

    Drittens: Aktualität der Überwachung. Das Zertifikat gilt drei Jahre, das letzte Überwachungsaudit sollte nicht länger als zwölf Monate zurückliegen. Lassen Sie sich den Auditnachweis zeigen, nicht nur die Urkunde.

    Viertens: Akkreditierung der Zertifizierungsstelle. Nur Zertifikate akkreditierter Stellen entsprechen DIN 77200-3, und nur solche werden in öffentlichen Ausschreibungen anerkannt. Zu den am Markt tätigen Stellen zählen unter anderem DEKRA, VdS, TÜV Rheinland, ICG, PIAQ und Qualidata. Die Akkreditierung selbst vergibt die DAkkS.

    Fünftens: Subunternehmeranteil. Fragen Sie ausdrücklich, wie hoch der Anteil von Subunternehmerpersonal an der zertifizierten Leistung ist. Über 50 Prozent ist die Zertifizierung der jeweiligen Dienstleistung nicht zulässig.

    Sechstens: Ergänzende Nachweise. Verlangen Sie eine aktuelle Bestätigung der Betriebshaftpflicht mit den Deckungssummen, anonymisierte Stichproben der Qualifikationsnachweise, die Benennung der Objekt- und Einsatzleitung sowie Referenzen aus Ihrer Branche. Ergänzend sinnvoll sind Angaben zu Schulungen in Deeskalation, Kommunikation, Brandschutz und Erster Hilfe.

    Siebtens: Erreichbarkeit und Reaktionszeiten. Halten Sie Erreichbarkeit rund um die Uhr und zugesagte Reaktionszeiten schriftlich im Vertrag fest. Die Norm verlangt definierte Melde- und Notfallketten, die konkrete Frist für den Interventionsdienst vereinbaren Sie jedoch selbst.

    Häufige Fragen

    Was schreibt die DIN 77200 konkret vor?

    Die Norm regelt Organisation, Personalqualifikation, Dienstanweisungen, Dokumentation, Schlüsselverwaltung und Kontrollsysteme eines Sicherheitsdienstleisters. Teil 1 enthält die Grundanforderungen, Teil 2 erweiterte Anforderungen für Sonderbereiche, Teil 3 das Zertifizierungsverfahren.

    Ist die DIN 77200 gesetzlich verpflichtend?

    Nein. Verpflichtend ist die Erlaubnis nach § 34a Gewerbeordnung. Die DIN 77200 ist eine freiwillige Norm, in öffentlichen Ausschreibungen aber faktisch Standard und dort nur mit dem Zusatz „oder gleichwertig“ forderbar.

    Wie lange ist ein Zertifikat nach DIN 77200 gültig?

    Ein Zertifikat gilt drei Jahre. In den Zwischenjahren finden jährliche Überwachungsaudits statt, im dritten Jahr steht das Re-Zertifizierungsaudit an. Ein Überwachungsaudit sollte nie älter als zwölf Monate sein.

    Was kostet eine Zertifizierung nach DIN 77200?

    Die Angaben reichen von rund 1.970 Euro für eine mittelgroße Organisation bis zu deutlich höheren Werten. Eine Kombination mit ISO 9001 wird ab 3.500 Euro genannt. Der Aufwand hängt von Dienstleistungen, Mitarbeiterzahl und Niederlassungen ab.

    Welche Sicherungsdienstleistungen lassen sich zertifizieren?

    Stationäre Dienstleistungen wie Alarm-, Empfangs- und Kontrolldienst, mobile wie Revier-, Interventions- und Kontrolldienst sowie Veranstaltungssicherungsdienst. Ergänzend Objekte mit besonderer Sicherheitsrelevanz, Unterkünfte und öffentlicher Personenverkehr.

    Woran erkenne ich ein aktuelles und belastbares Zertifikat?

    Prüfen Sie Normteil und Ausgabe, den Geltungsbereich, das Datum des letzten Überwachungsaudits und die Akkreditierung der ausstellenden Stelle. Ohne Akkreditierung wird ein Zertifikat in öffentlichen Vergaben nicht anerkannt.

    Worin unterscheiden sich DIN 77200 und ISO 9001?

    ISO 9001 prüft branchenübergreifend das Qualitätsmanagementsystem. Die DIN 77200 stellt zusätzlich branchenspezifische Anforderungen an Sicherungsdienstleistungen, Personal und Einsatzdokumentation. Viele Zertifizierer bieten beide Normen im kombinierten Audit an.

    Quellen

    • DIN Media (Normtexte DIN 77200-1, -2 und -3)
    • Qualidata (Informationsblatt DIN 77200-1:2022-10, Zertifizierungsablauf und Fristen)
    • VdS Schadenverhütung (Zertifizierung nach DIN 77200-1 und DIN 77200-2)
    • DEKRA Certification
    • TÜV Rheinland
    • DAkkS – Deutsche Akkreditierungsstelle
    • Coredinate (Fachbeitrag zu Normteilen und Zertifizierungsablauf)
    • security.de (Glossar DIN 77200, Kernanforderungsbereiche)
    • UDS Beratung (Inhaltsübersicht DIN 77200)
    • LexisNexis (Fachbuchauszug zu Tätigkeitsfeldern der Sicherheitswirtschaft)
    • BAFA – Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Beratungsförderung)
    • Gewerbeordnung, § 34a, und Bewachungsverordnung
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