Preisfaktoren im Objektschutz: Zeiten, Qualifikation, Aufgaben, Objekt
Der größte Hebel ist nicht der Stundensatz, sondern die Zahl der gebuchten Stunden. SOX Sicherheitsdienst rechnet vor: Zwei Stunden mehr oder weniger pro Nacht verändern den Umfang um rund 60 Stunden im Monat. Bei 28 bis 38 Euro sind das etwa 1.700 bis 2.300 Euro. Prüfen Sie deshalb, ob sich die Einsatzzeiten am tatsächlichen Risiko orientieren. Muss die Bewachung schon mit Schichtende beginnen oder erst, wenn niemand mehr im Betrieb ist? Wird samstags vormittags noch gearbeitet, sodass der Wochenenddienst später einsetzen kann?
Einsatzzeiten und Zuschläge
Der zweite Faktor ist die Lage der Stunden. Der Berliner Tarifvertrag sieht in Paragraf 6 drei Zuschläge vor. Für Nachtarbeit zwischen 22 und 6 Uhr gibt es 15 Prozent, für Sonntagsarbeit 25 Prozent, für Feiertagsarbeit 50 Prozent. Treffen Sonntag und Feiertag zusammen, gilt nur der höhere Zuschlag. Der Nachtzuschlag kommt dagegen hinzu. Eine Feiertagsnacht in Entgeltgruppe 1 kostet den Arbeitgeber so 25,00 Euro Bruttolohn statt 15,15 Euro, also 65 Prozent mehr. Die Infografik oben zeigt diese Stufen im Detail. Andere Bundesländer regeln das anders. In Baden-Württemberg beginnt die tarifliche Nacht laut SOX Sicherheitsdienst schon um 20 Uhr, und die Zuschläge liegen höher. Übertragen Sie Beispielrechnungen aus anderen Regionen deshalb nicht ungeprüft.
Qualifikation und Zulagen
Jede Wachperson braucht nach Paragraf 34a Absatz 1a Gewerbeordnung mindestens eine Unterrichtung. Nach Paragraf 6 der Bewachungsverordnung umfasst sie mindestens 40 Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten, bei Sprachniveau B1. Für bestimmte Tätigkeiten verlangt das Gesetz zusätzlich die Sachkundeprüfung. Dazu gehören Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum oder in Hausrechtsbereichen mit tatsächlich öffentlichem Verkehr, der Schutz vor Ladendieben und der Einlassbereich gastgewerblicher Diskotheken. Liegt Ihr Objekt in einem solchen Bereich, steigen Anforderungen und Preis. Der Tarifvertrag sieht außerdem Zulagen pro Stunde vor: 0,75 Euro für Team- oder Schichtleiter, 1,00 Euro für Objektleiter, 0,50 bis 2,00 Euro für Diensthundeführer und 2,50 Euro für Waffenträger. Für den Revierdienst kommen 0,65 Euro hinzu.
Aufgaben und Objekt
Je mehr eine Kraft neben der reinen Präsenz erledigt, desto höher die Anforderungen. Lkw-Abfertigung, Abgleich von Lieferpapieren, Ausgabe von Werksausweisen oder Besuchereinweisung verschieben einen Posten in Richtung Werkschutz. Dafür nennt SOX Sicherheitsdienst 32 bis 48 Euro pro Stunde statt 25 bis 35 Euro. Auch das Objekt selbst zählt. Ein leeres Bürogebäude mit guter Alarmanlage braucht etwas anderes als ein Lager mit leicht verkäuflicher Ware und einer Zufahrt ohne Tor. Mehrere Zufahrten, große Außenflächen oder fehlende Beleuchtung erhöhen den Bedarf an Rundgängen oder an einer zweiten Kraft. Eine zweite Kraft je Schicht verdoppelt die Personalkosten sofort.
Beispielrechnungen: Nacht, Wochenende und Posten rund um die Uhr
Für eigene Rechnungen brauchen Sie zuerst die Stundenzahl. SOX Sicherheitsdienst legt dafür einen Durchschnittsmonat mit 30,4 Tagen, 21,7 Werktagen und 4,35 Wochen zugrunde. Ein Posten rund um die Uhr kommt so auf etwa 730 Stunden. Jede Nacht von 20 bis 6 Uhr ergibt etwa 304 Stunden, jede Nacht von 18 bis 6 Uhr etwa 365 Stunden. Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr sind es etwa 217 Stunden. Das Wochenende von Samstag 6 Uhr bis Montag 6 Uhr umfasst etwa 209 Stunden. Multipliziert mit den Marktangaben ergeben sich die folgenden Rechenbeispiele.
| Einsatzmodell (1 Kraft) | Stunden pro Monat | Satz netto je Stunde | Rechenbeispiel netto pro Monat |
| Pforte Montag bis Freitag, 7 bis 17 Uhr | ca. 217 | 25–35 € | ca. 5.425–7.595 € |
| Jede Nacht, 20 bis 6 Uhr | ca. 304 | 28–38 € | ca. 8.512–11.552 € |
| Wochenende, Samstag 6 Uhr bis Montag 6 Uhr | ca. 209 | 28–38 € | ca. 5.852–7.942 € |
| Posten rund um die Uhr, 7 Tage | ca. 730 | 28–38 € | ca. 20.440–27.740 € |
Stunden und Sätze stammen von SOX Sicherheitsdienst, die Multiplikation ist ein eigenes Rechenbeispiel ohne Anfahrt und ohne Feiertagsbereinigung. Die Ergebnisse passen zu anderen Marktangaben. Security.de und Cesar Security nennen für eine Nachtbewachung an sieben Nächten mit je zehn Stunden 8.000 bis 12.000 Euro im Monat. Für den Dauerposten nennt SOX Sicherheitsdienst selbst ca. 20.000 bis 28.000 Euro.
Rechenbeispiel Nachtbewachung
Ein Lager soll jede Nacht bewacht werden, sobald der Betrieb schließt. Bei zehn Stunden pro Nacht fallen rund 304 Stunden an. Mit 28 bis 38 Euro ergibt das 8.512 bis 11.552 Euro netto im Monat. In Berlin gelten tariflich nur die Stunden zwischen 22 und 6 Uhr als Nachtarbeit. Die ersten zwei Stunden einer Schicht ab 20 Uhr werden also ohne Nachtzuschlag bezahlt. Verkürzen Sie die Schicht auf 22 bis 6 Uhr, bleiben etwa 243 Stunden. Der Monatsbetrag sinkt dann auf rund 6.804 bis 9.234 Euro. Ob das ausreicht, hängt davon ab, wann Ihr Gelände tatsächlich leer ist.
Rechenbeispiel Wochenende
Viele Betriebe brauchen Schutz nur dann, wenn niemand da ist. Für das Wochenende von Samstag 6 Uhr bis Montag 6 Uhr ergeben sich 209 Stunden und damit 5.852 bis 7.942 Euro netto im Monat. Kombinieren Sie das mit werktäglichen Nächten von 18 bis 6 Uhr, kommt SOX Sicherheitsdienst auf 469 Stunden und rund 13.100 bis 17.800 Euro im Monat.
Rechenbeispiel Posten rund um die Uhr
Ein Dauerposten arbeitet zwangsläufig nachts, sonntags und an Feiertagen. Auf Lohnebene lässt sich das für Berlin nachrechnen. Ein Drittel der Stunden fällt in die Nacht von 22 bis 6 Uhr, das bringt gewichtet 5,0 Prozent Aufschlag. Einer von sieben Tagen ist ein Sonntag, das bringt gewichtet rund 3,6 Prozent. Ohne Feiertage steigt der durchschnittliche EG1-Lohn damit von 15,15 Euro auf rund 16,45 Euro brutto pro Stunde. Auf 730 Stunden sind das rund 12.007 Euro reiner Bruttolohn im Monat, ohne jeden Arbeitgeberanteil. Mit dem Faktor 1,60 bis 1,94 aus der SOX-Modellrechnung ergibt sich ein Mischsatz von rund 26,32 bis 31,91 Euro pro Stunde. Das entspricht etwa 19.200 bis 23.300 Euro im Monat, Feiertage kommen noch hinzu.
Hinter einem Dauerposten steht zudem mehr als eine Person. Eine Vollzeitkraft deckt bei 173 bezahlten Stunden im Monat knapp ein Viertel der 730 Stunden ab. Rechnerisch sind das 4,2 Vollzeitstellen. Zieht man Urlaub, Krankheit und Schulungen mit 15 bis 20 Prozent ab, teilen sich laut SOX Sicherheitsdienst etwa fünf Personen den Posten. Fragen Sie deshalb, wie viele Kräfte fest für Ihr Objekt eingeplant sind und wer bei kurzfristigem Ausfall einspringt.
Tipp: Schreiben Sie in Ihre Anfrage die exakten Einsatzfenster je Wochentag. Nur dann können Anbieter Nacht-, Sonn- und Feiertagsstunden sauber kalkulieren, und Sie vergleichen gleiche Stundenzahlen statt unterschiedlicher Annahmen.
Posten, Revierdienst oder Technik: was sich wann rechnet
Nicht jedes Objekt braucht eine Kraft, die die ganze Nacht vor Ort ist. Beim Revierdienst zahlen Sie je Kontrolle, weil sich mehrere Kunden die Fahrzeit teilen. SOX Sicherheitsdienst nennt 25 bis 45 Euro je Kontrolle mit Anfahrt und kurzem Rundgang. Bei einer Kontrolle pro Nacht sind das etwa 700 bis 1.400 Euro im Monat. Mit zwei Kontrollen pro Nacht, einer aufgeschalteten Alarmanlage und einem Alarmeinsatz im Monat rechnet der Anbieter mit rund 1.600 bis 2.900 Euro im Monat. Dazu kommen einmalig 50 bis 600 Euro für die Einrichtung der Aufschaltung. Die laufende Aufschaltung selbst kostet nach denselben Angaben 20 bis 60 Euro im Monat, eine Alarmverfolgung 50 bis 100 Euro je Einsatz. Security.de nennt für Fernüberwachung mit Intervention Beträge ab 300 Euro im Monat.
Zwischen einem Revierdienst und einem Dauerposten liegt grob eine Größenordnung. Der Preisunterschied hat einen Grund: Zwischen zwei Kontrollen ist niemand auf dem Gelände, und nach einem Alarm vergeht Fahrzeit bis zum Eintreffen. Welche Form genügt, hängt davon ab, was im ungünstigsten Fall passieren kann. Was nach dem Auslösen einer Anlage konkret geschieht, erklärt der Ratgeber zum Interventionsdienst. Die Unterschiede zwischen Streifen- und Revierdienst behandelt ein eigener Beitrag.
Kosten im Verhältnis zum Schaden
Für die Abwägung hilft ein Blick auf die Schadenszahlen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2025 weist 502.743 Straftaten aus, 6,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Diebstahl insgesamt sank auf 203.061 Fälle, die Aufklärungsquote bei Diebstahl lag bei 21,1 Prozent. Der durchschnittliche Schaden je Büro- und Betriebseinbruch stieg dagegen von 5.049 Euro im Jahr 2024 auf 6.651 Euro im Jahr 2025. Bei Diebstahl an und aus Kraftfahrzeugen lag er 2025 bei 1.304 Euro je Fall, beim Diebstahl ganzer Kraftwagen bei 23.682 Euro. Die Zahl vorsätzlicher Brandstiftungen stieg von 763 auf 855. Die Sachbeschädigungen gingen von 47.040 auf 44.693 Fälle zurück.
Diese Durchschnittswerte ersetzen keine Risikoanalyse für Ihr Objekt. Sie zeigen aber die Spannweite. Ein einzelner Betriebseinbruch liegt im Mittel über dem, was ein Revierdienst mit einer Kontrolle pro Nacht in mehreren Monaten kostet. Ein Dauerposten wiederum rechnet sich eher dort, wo Zutritt kontrolliert, Lieferungen abgefertigt oder hohe Warenwerte geschützt werden müssen. Häufig ist eine Kombination sinnvoll: Personal zu den kritischen Zeiten, Technik und Revierdienst für den Rest. Welche Mischung zu Ihrem Gelände passt, klären Sie am besten in einer Begehung. BPS Protect steht für den Objektschutz in Berlin und Brandenburg als Ansprechpartner zur Verfügung.
Angebote prüfen: Plausibilität, Pflichten und Steuer
Mit dem Tariflohn als Untergrenze können Sie jedes Angebot auf Plausibilität prüfen. Security.de rät, Angebote unter 24 Euro pro Stunde kritisch zu hinterfragen. Cesar Security nennt einen Satz unter 24 Euro ein Warnsignal, weil sich Tariflohn, Lohnnebenkosten, Betriebskosten und Marge damit kaum darstellen lassen. Für Berlin gilt das umso mehr: Schon die Modellrechnung mit dem niedrigsten SOX-Faktor führt bei 15,15 Euro Tariflohn zu gut 24 Euro für eine Tagstunde. Ein deutlich niedrigerer Satz spricht dafür, dass an Ausfallzeiten, Schulung oder Vertretung gespart wird.
Rechtliche Mindestanforderungen
Prüfen Sie neben dem Preis die gesetzlichen Pflichten. Wer gewerblich bewacht, braucht eine Erlaubnis nach Paragraf 34a Gewerbeordnung. Sie setzt unter anderem Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse, eine Sachkundeprüfung der Leitung und eine Haftpflichtversicherung voraus. Die Mindestsummen stehen in Paragraf 14 der Bewachungsverordnung: 1.000.000 Euro für Personenschäden, 250.000 Euro für Sachschäden, 15.000 Euro für das Abhandenkommen bewachter Sachen und 12.500 Euro für reine Vermögensschäden, jeweils je Schadensereignis. Jede Wachperson ist im Bewacherregister beim Statistischen Bundesamt erfasst. Nach Paragraf 18 der Bewachungsverordnung trägt sie vor dem ersten Einsatz einen Dienstausweis mit der Bewacher-ID von Person und Unternehmen. Wie Sie die Bewacher-ID im Bewacherregister einordnen, lesen Sie in einem eigenen Ratgeber.
Als fachlicher Maßstab für die Dienstleistungsqualität dient die DIN 77200-1 in der Ausgabe vom Oktober 2022. Sie beschreibt allgemeine Anforderungen an Sicherheitsdienstleister und ersetzt die Fassung von 2017. Für größere Vergaben empfiehlt sich ein sauberes Leistungsverzeichnis für die Ausschreibung, das Einsatzzeiten, Aufgaben und geforderte Qualifikation eindeutig festlegt. Nur so werden Angebote vergleichbar.
Steuerliche Behandlung
Für Unternehmen sind die Kosten des Objektschutzes in der Regel Betriebsausgaben. Paragraf 4 Absatz 4 Einkommensteuergesetz definiert Betriebsausgaben als Aufwendungen, die durch den Betrieb veranlasst sind. Die Bewachung betrieblicher Gebäude, Lager oder Baustellen fällt typischerweise darunter. Denken Sie beim Budget daran, dass alle Marktangaben netto gelten. Auf den Rechnungsbetrag kommt die Umsatzsteuer. Ob Sie diese als Vorsteuer abziehen können, hängt von Ihrem Unternehmen ab. Im Einzelfall klärt das Ihre Steuerberatung.
Quellen
- Entgelttarifvertrag für Sicherheitsdienstleistungen in Berlin und Brandenburg vom 18.11.2025, Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW), allgemeinverbindlich
- Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung Berlin, Pressemitteilung vom 22.07.2026
- Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung
- Gewerbeordnung (§ 34a, § 11b) und Bewachungsverordnung (§ 6, § 14, § 18), Bundesministerium der Justiz
- Einkommensteuergesetz (§ 4 Abs. 4), Bundesministerium der Justiz
- DIN 77200-1:2022-10, DIN Media
- Polizei Berlin, Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2025, Kurzbericht
- SOX Sicherheitsdienst, Objektschutz Kosten: Preise und Beispielrechnungen (2026)
- security.de (CIBORIUS), Sicherheitsdienst Kosten 2026
- Cesar Security, Was kostet ein Sicherheitsdienst 2026? Preise Hamburg
- Kulig Security, Was kostet ein Sicherheitsdienst? (2026)